Interview mit Prof. Dr. Pascal Gantenbein
 

Der Gewinner des Best Lecturer Awards FS 2022

Herr Professor Gantenbein, ganz herzliche Gratulation im Namen des gesamten RealWWZ-Teams zu Ihrem nun schon vierten Best Lecturer Award im FS 2022!

Zunächst vielen herzlichen Dank, das ist eine riesige Freude! Es ist für einen Dozierenden eine unschätzbare Anerkennung, wenn man so ein positives Feedback bekommt. So sieht man, dass das, was man vermittelt und wie man sich engagiert, auf eine Wertschätzung stösst. Sei dies für den Inhalt oder die Art und Weise wie der Stoff vermittelt wird und die Studierenden eingebunden werden, oder auch die Motivation, die man ihnen mit auf den Weg geben möchte. Dass dies nun auf fruchtbaren Boden bei den Studierenden gestossen ist, freut mich sehr.

Wo werden Sie den Award platzieren?

Der Award bekommt einen ganz speziellen Platz neben seinen «Gspänli» im Regal meines Büros.

Was wir uns auch gefragt haben, ist, ob unter den Professoren und Professorinnen über den Award gesprochen wird?

Es wird zur Kenntnis genommen, anerkannt und man erhält auch Gratulationen. Zu Beginn war dies vielleicht noch etwas weniger der Fall, doch mittlerweile, wo es den Award schon über 12 Jahre gibt und viele Kolleginnen und Kollegen den Award schon gewinnen durften, hat er sich als Institution etabliert. Es ist schön, dass verschiedene Personen und damit unterschiedliche Veranstaltungen mit dem Award ausgezeichnet wurden, denn dies ist ein Ansporn für einen selbst, in Zukunft den Anspruch der Studierenden erneut zu erfüllen.

Was war eigentlich Ihr erster Job?

Ganz früher habe ich Autos gewaschen (lacht) und war auch schon im Service tätig. Dann arbeitete ich während sowie auch nach dem Studium im Versicherungswesen, bevor ich als Doktorand in der Anlageberatung tätig war. 1999 gab ich dann für meinen damaligen Doktorvater kurzfristig meine erste Vorlesung in International Finance. Das Halten von Vorlesungen machte mir Freude und so begann meine weitere Tätigkeit an der Universität.

Und 23 Jahre später sind es schon vier Awards fürs Dozieren geworden! Doch was würden Sie heute machen, wenn Sie nicht Professor geworden wären?

Was mich immer interessiert hat, ist auf der einen Seite das Finanzwesen und auf der anderen Seite Immobilienmärkte sowie Themenbereiche um Innovation. Diese Bereiche haben mich immer schon fasziniert und so ist es ein unglaubliches Privileg, dass ich dieses Interesse zu meinem Beruf machen konnte, da ich mich ja auch heute in der Lehre mit diesen Themen auseinandersetzen darf. Ich sehe also eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich, wenn ich heute nicht Professor wäre, im Finanz-, Immobilien- oder Innovationsbereich tätig wäre.

Als Sie 2014 Ihren zweiten Best Lecturer Award erhalten haben, fragten wir Sie, wo Sie sich 2020 sehen. Sie sagten damals, dass Sie dann vermutlich noch Studiendekan sein werden, beziehungsweise dass Sie dies auf jeden Fall von Ihrer Seite aus anstreben und, dass es bis dann hoffentlich auch den nächsten Best Lecturer Award gibt. Mit dem Award hat es nun wieder geklappt, weshalb wir Sie heute fragen möchten, was 2030 kommt?

Ich bin nun schon acht Jahre Studiendekan, was auch länger ist als ich es 2014 gedacht hätte. Es macht mir immer noch sehr viel Spass, was natürlich auch an meinem grossartigen Team liegt. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass man diese Aufgabe mit einem Interesse an und einer Wertschätzung gegenüber den Studierenden und ihrem Weiterkommen ausübt. Die Phase als Studiendekan wird sicher irgendwann zu Ende sein, was kaum mehr acht Jahre dauern wird, doch im Moment ist es so, dass ich das gerne noch einen Moment weiterführen möchte, weil es mir wie gesagt immer noch grossen Spass macht.

Haben Sie noch ein Ziel in den nächsten Jahren an der Universität?

Ja, wir haben als Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät an der Universität Basel ein unglaublich gutes Curriculum, das die Studierenden auch in späteren Phasen weiterbringt, weil es sie mit einem sehr integralen Wissen methodischer wie auch inhaltlicher Natur ausstattet. Das möchten wir in den nächsten Jahren vermehrt nach aussen tragen. Zudem gibt es beim internationalen Austausch sicherlich noch Optimierungspotential sowie bei der Visibilität unseres Curriculums. Und natürlich muss man auch immer das Basisprodukt weiterentwickeln. Doch ich glaube die Reform, die wir in den letzten Jahren aufgegleist haben und derzeit umsetzen, bringt unsere Fakultät in eine wichtige Richtung. Es ist zentral, dass wir dieses Gerüst in den nächsten Jahren weiterentwickeln, und dafür möchte ich mich engagieren.

Gibt es vielleicht noch ein privates Ziel für die nächsten Jahre? Möglicherweise einen Berg besteigen oder etwas anderes Sportliches?

Ich habe um ehrlich zu sein mit Schwimmen, Skifahren und Wandern relativ unspektakuläre Hobbies. So sind die sportlichen Ambitionsziele nicht wahnsinnig hoch gesetzt (lacht). Aber es ist wichtig, dass man gesund ist, das ist die Basis, dass man sich auch beruflich engagieren kann.

Seit dem letzten Award hatten wir eine Pandemie zu bewältigen. (Hoffentlich) zurückblickend, wie würden Sie es einschätzen, wie sich die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät durch diese Pandemie steuerte?

Das war sicher eine Rahmenbedingung, die uns enorm geprägt hat – die Fakultät wie auch die einzelnen Dozierenden. Auch wenn die Vorlesungen im Frühjahrssemester 2020 relativ smooth in den Onlinekanal gewechselt werden konnten, war es doch besonders in den ersten zwei Semestern eine sehr anspruchsvolle Zeit, bis wir eine gewisse Professionalität in allen Abläufen entwickeln konnten. Neben den Vorlesungen waren auch die Anpassungen im Prüfungswesen sehr anspruchsvoll, vor allem weil jedes Semester anders war. Persönlich erwarte ich, dass wir nun im kommenden Herbstsemester einen relativ hohen Anteil physisch durchführen können. Und im Fall, dass es keine Abstandspflichten gibt, werden wir das so, wie wir es geplant haben, durchführen können. Ich bin guter Dinge, dass uns dies gelingen wird. Natürlich gibt es neue Herausforderungen, was die Energiesituation angeht, die sich allenfalls auf die Prüfungsräume, die uns zur Verfügung stehen, auswirken könnten. Das ist also die Herausforderung, der wir uns derzeit annehmen und verschiedene Szenarien ausarbeiten mit dem Ziel, einen möglichst reibungslosen Ablauf und eine möglichst hohe Verlässlichkeit gegenüber den Studierenden zu gewährleisten.

Was nehmen Sie Positives aus der Pandemiezeit mit?

Die Pandemie hat bestimmt die Bereitschaft für den Einsatz von digitalen Hilfsmitteln erhöht. Heute gehen wir ganz anders mit diesen Tools um und haben weniger Berührungsängste, verschiedene Medien in derselben Veranstaltung einzusetzen. Dass man beispielsweise eine physische Veranstaltung anbietet, die online übertragen und vielleicht sogar noch aufgezeichnet wird. Ferner, und das betrifft die gesamte Gesellschaft und nicht nur die Universität, ist man heute etwas gelassener, was die Reisetätigkeiten angeht, weil es die neuen Möglichkeiten gibt auf eine sehr effiziente Art miteinander zu konferieren, welche nun auch akzeptiert sind. Gleichzeitig hat uns die Pandemie auch gezeigt, dass eben über diese Kanäle nicht alles ersetzt werden kann. Es braucht den physischen Kontakt und man muss sich kennen. Erst dann kann man aus einem virtuellen Meeting mehr herausholen. Gerade bei der Innovation bin ich überzeugt, dass ein grosser Teil durch den physischen Austausch entsteht. Vielleicht hat uns die Pandemie da etwas die Augen geöffnet, wie wichtig der physische Austausch ist. Meine Hoffnung ist, dass wir in Zukunft eine sinnvolle Balance haben: Also auf der einen Seite eine Wertschätzung und für den physischen Austausch und auf der anderen Seite, wo es effizienter ist, beispielsweise Videokonferenzen, ohne dass man weit reisen oder das Flugzeug nehmen muss.

Gibt es etwas Lustiges, das Ihnen im Zusammenhang mit der Coronapandemie geblieben ist?

Ja gut, also etwas, das wir natürlich erfahren haben, ist, dass sich die Studierenden teilweise mit erhöhter Geschwindigkeit die Vorlesungsvideos anschauten, was einen dann natürlich nicht immer ganz freute (lacht) aber gleichzeitig auch etwas belustigte.

Wenn Sie sich eine beliebige Vorlesung an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät aussuchen dürften, welche würden Sie besuchen?

Die Schwierigkeit ist hier mich entscheiden zu können. Wenn es gestattet ist, mehr als eine zu erwähnen, finde ich die Rechnungslegung als Basis wie auch für das Denken in Zusammenhängen sehr wichtig. Ebenfalls sehr zentral ist die Makroökonomie. Wenn ich mir heute anschaue, wie die Unternehmen von verschiedenen Rahmenbedingungen betroffen sind, sei es finanziell oder auf den Absatzmärkten, geht alles zurück auf ein Verständnis der Makroökonomie, das wäre also sicher auch spannend. Und als drittes Thema möchte ich abschliessend noch die Ökonometrie nennen. Wenn ich diese drei Themen nun etwas reflektiere, ist dies genau je ein Beispiel für den Dreiklang, den unsere Fakultät ausmacht. Denn wir bieten betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche und methodische Aspekte und diese gehören letzten Endes auch zusammen.

Nun noch einige Fragen, die nichts mit der Universität zu tun haben: Wenn Sie eine Person aussuchen dürften, wen würden Sie gerne einmal kennenlernen und ein Gespräch führen?

Ja, das sind immer schwierige Fragen. Man orientiert sich immer an bekannten Personen, doch ich glaube, dass jede Person etwas an sich hat, das ihre Persönlichkeit ausmacht. Ich finde es daher wichtig, dass man bei jeder Person etwas entdecken kann, das einem die Augen öffnet. Ich unterhalte mich auch sehr gerne mit Leuten, denen ich zufällig begegne. Das finde ich etwas Schönes und Bereicherndes, um die Welt immer wieder aus anderen Perspektiven sehen zu können.

Wenn Sie etwas in der Welt der Wirtschaft verändern dürften, was wäre das?

Es ist wichtig, dass wir die Financial Literacy in der Gesellschaft ganz generell erhöhen. In den öffentlichen Debatten wird heute häufig emotionalisiert, was ich zwar verstehe, doch manchmal auch sehr bedaure, da diese Emotionalisierung zielführenden Entscheiden im Weg stehen kann. Es wäre deshalb essenziell, dass man mehr in das Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge investiert. So hätten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger unabhängig der politischen Couleur ein besseres Verständnis und ein vorhandenes Basiswissen, bevor der politische Prozess beginnt.

Dann hätten wir abschliessend noch ein paar Kurzfragen für Sie:

Basel ist für mich…?

eine grandiose Stadt, die alles bietet und die durch ihre Grenznähe und das wirtschaftliche Exposure einen unglaublich reichhaltigen Austausch ermöglicht.

Mein Lieblingsrestaurant in Basel ist...?

das Restaurant Löwenzorn.

Kaffee oder Tee?

Kaffee.

Strand oder Berge?

Berge.

Coop oder Migros?

Ich bin ein Migros-Kind und heute Coop-Nutzer also ist das nicht so einfach (lacht).

Das beste am Wirtschaftsstudium in Basel finde ich,…?

dass die Fakultät überschaubar ist und die Studierenden gleichzeitig mit unserer Ausrichtung die Möglichkeit haben ins Business zu gehen, man aber in Economics eine solide Basis mitbekommt. Heute geht es auch ohne Methoden nicht. Und genau diesen Cocktail bekommt man in Basel, und zwar schon auf Bachelorstufe. Ich wüsste keine andere Institution, die eine solche Basis bereits ab dem ersten Studienjahr vermittelt. Gleichzeitig haben wir ein sehr attraktives Kulturleben und eine hohe Lebensqualität in Basel.

Und noch als letzte Frage: Basel oder St. Gallen?

Die Stadt Basel bietet in vielen Bereichen mehr als St. Gallen, auch wenn mir diese Frage als St. Galler nicht ganz leicht fällt (lacht).

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen genommen haben und nochmals herzliche Gratulation zu ihrem vierten Best Lecturer Award! Wir nehmen Sie beim Wort, dass es dann beim fünften Award eine Feier gibt! :)