Interview mit Prof. Dr. Tim Kroencke, Gewinner des Best Lecturer Awards FS2021

Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben. Die erste Frage, die wir jedem Gewinner stellen ist: Wo werden Sie den Best Lecturer Award aufstellen?

Ich werde ihn im Büro aufstellen, so dass ihn möglichst alle Kollegen sehen, die ins Büro kommen. Auf den Award bin ich natürlich schon ein bisschen stolz.

Sehr gute Wahl! Wir hatten es zuvor schon vom Anfang Ihrer Dozentenkarriere. Sie starteten Ihre Prof Karriere als Assistenzprof in Basel, konnten dann aber einen Lehrstuhl in Neuchâtel ergattern. Wie wichtig ist es Ihnen, dass Sie trotzdem noch die Studierenden in Basel unterrichten können?

Also erstens habe ich hier selber als Student Kurse bei Heinz Zimmermann und Herrn Kleiber besucht und tatsächlich war dies so spannend, dass ich mich dann für ein Doktorat in Finance entschieden habe und schlussendlich bei der Assistenzprofessur in Basel landete. Es ist daher etwas Besonderes für mich wieder hier unterrichten zu können. Zweitens, ist das auch mein Forschungsbereich und es ist natürlich toll, wenn man von seiner eigenen Forschung reden darf. Zuhause wird das nicht so gerne gesehen und dann ist es umso schöner, wenn man mit interessierten jungen Leuten zusammenarbeiten kann. Das Ganze macht dann auch Spass und fühlt sich nicht wirklich wie Arbeit an.

Unser Ziel heute ist es, Sie auch persönlich etwas besser kennenzulernen. Wollten Sie schon immer Professor werden?

Nach der Schule wollte ich auf keinen Fall an die Uni und habe deshalb zuerst eine Lehre bei der Bank gemacht. Das war auch toll, aber es hat mich immer gestört, dass ich nicht genau verstanden habe, wie die Finanzmärkte funktionieren und was da alles passiert. Darum habe ich dann den Bachelor in Wirtschaft gemacht und das war auch ganz nett, aber das Bachelorstudium ist sehr trocken und man versteht am Ende eigentlich nicht, was da genau passiert. Deshalb habe ich dann weiter gemacht und wollte immer mehr dazulernen und forschen. Ich hatte die Möglichkeit, nach Basel zu kommen und hier noch weitere vier Jahre an Forschungspapieren zu arbeiten. Daraus hat sich dann ergeben, dass ich dabeigeblieben bin und jetzt als Professor arbeiten darf.

Also eigentlich kam der ganze Prozess aus einer unstillbaren Lernbegierde?

Es ist nicht nur die Lernbegierde im Sinne vom Lesen und Lernen, sondern auch die Neugierde. Ich wollte beispielsweise immer wissen, wie ein Fonds- oder Pensionskassenmanager seine Anlageentscheidungen trifft, sei es das Verhältnis von Aktien zu Obligationen oder auch die unterschiedlichen geografischen Diversifikationsmöglichkeiten usw.

Man spürt Ihre Begeisterung für das Thema! War das früher schon so oder hatten Sie in der Schule Fächer in anderen Bereichen, die Sie mehr faszinierten? Vielleicht sogar Französisch als Vorbereitung für die Arbeit in Neuchâtel?

Ich hätte tatsächlich mehr Französisch machen sollen, das bereue ich nun ein wenig. Aber ich fürchte, als Schüler war mein Lieblingsfach eher Sport oder Biologie. Ich habe mich in der Schule auch schwergetan, weil mir der Bezug vom Lernstoff zum Leben oft gefehlt hat. Dies ist natürlich nicht fördernd für die Motivation.

Das stimmt und ist wahrscheinlich für viele Schüler ein Problem. Nun mal weg von der Schule: für welche drei Dinge in Ihrem Leben sind Sie am dankbarsten?

Ich habe zwei wunderbare Kinder und eine wundervolle Frau, das freut mich sehr und ist auch das Wichtigste. Dazu kommt noch die Gesundheit der gesamten Familie und ich freue mich auch sehr über meinen Beruf, den ich ausüben kann. Da habe ich auch Glück gehabt und bin wirklich zufrieden.

Wenn Sie eine Sache in der Welt der Wirtschaft verändern könnten, was würden Sie tun und warum?

Was mich am meisten stört, ist wenn ich höre, dass Studierende einen schwierigen Einstieg in die Arbeitswelt haben. Überall wird Praxiserfahrung erwartet, obwohl viele hochmotivierte und fähige Studenten und Studentinnen bereit wären, sofort mehr zu leisten. Deshalb würde es mich freuen, wenn den Absolventen schon früher mehr zugetraut würde und ihnen der Einstieg in die Arbeitswelt nicht unnötig erschwert würde. Es freut mich auch immer sehr zu lesen, wenn junge Start-up Gründer erfolgreich sind, was meine Ansicht auch bestätigt, dass die Jungen durchaus im Stande sind, sofort einen Mehrwert zu erzeugen.

Da geben wir Ihnen Recht, oft werden unnötig Stolpersteine in den Weg gelegt. Jetzt mal eine ganz andere Frage: Wofür würden Sie mitten in der Nacht aufstehen, abgesehen von schreienden Kindern?

Eine brillante Paper-Idee! Ist auch schon passiert, dass ich in der Nacht aufgewacht bin und dachte ich hätte die perfekte Idee und dann stehe ich senkrecht im Bett, setze mich an den Computer bis zum Morgen, nur um dann festzustellen, dass es vielleicht doch nichts war.

Sie sprechen die Forschung und Arbeit mit Papers an. Welcher Teil des Forschungsprozesses macht Ihnen am meisten Spass? Es ist bestimmt ein langer Weg von der Idee bis zur Publikation oder sogar Präsentation an einer Konferenz.

Der beste Teil ist der Anfang, die frische Idee um drei Uhr morgens. Dann fliessen das Adrenalin und die Glücksgefühle. Je länger es geht, desto mühsamer wird es. Wenn man es mehrmals überarbeitet hat und dann immernoch negatives Feedback kommt, und man weiss, dass es nochmals einen Monat dauert, bis alle Daten, Rechnungen und Darstellungen aktualisiert sind. Dieser Teil kann sehr frustrierend sein, das ist für Professoren nicht einfacher als für Studierende beim Verfassen einer Bachelor- oder Masterarbeit.

Schön zu hören, dass es nicht nur uns so geht beim Verfassen einer Arbeit. Nun kommen wir bereits zur letzten grossen Frage, bevor wir dann mit einigen Kurzfragen enden werden. Was würden Sie kaufen, wenn Sie vor 10 Jahren 10'000 Franken in Bitcoin investiert hätten und jetzt unvorstellbar reich wären?

Zum Glück habe ich das nicht gemacht. Ich glaube das ist gar nicht so einfach. Es ist schwierig, seinen Freundeskreis und das Familienleben beizubehalten, man bekommt Ängste das Geld zu verlieren und es melden sich plötzlich Freunde, die man vorher nicht hatte. Ich bin erstmal gar nicht so unglücklich, dass ich nicht in dieser Situation bin. Wahrscheinlich würde ich versuchen normal weiterzuleben, vielleicht 80% statt 100% zu arbeiten, um Zeit für anderes zu schaffen, wie zum Beispiel ein neues Hobby oder ein Buch zu schreiben. Ich würde auch überlegen, ein Teil des Vermögens in eine Stiftung zu geben. Ich glaube nicht, dass ich mit einem Sportwagen durch Basel fahren würde.

Das ist eine sehr bescheidene und auch sympathische Antwort! Wir kommen nun noch zu den angekündigten Quick-Questions. Die Fragen sind entsprechend kurz und sollten, wenn möglich, auch kurz beantwortet werden.

Lieblingsferienort?

Da war ich gerade, die Atlantikküste von Frankreich. Der Strand mit grossen Wellen ist ein schöner Kontrast zur Arbeit hinter dem Rechner.

Lieblingsessen?

Selbstgemachter Hamburger, da haben auch die Kids immer Freude.

Tee oder Kaffee?

Kaffee.

MSCI World ETF oder Bitcoin?

MSCI World auch wenn ich mir da keine Freunde mache. Ich denke, eine Kombination vom MSCI World mit einer risikolosen Anlage ist für fast jeden die sicherste Variante Geld anzulegen. Da kann man auch ruhig schlafen. Bitcoin ist für mich eher wie ein Casino.

Elon Musk oder Mark Zuckerberg?

Schwierig, ich habe von beiden grössten Respekt. Beides Start-up Gründer, die tolle Dinge gemacht haben. Wahrscheinlich tatsächlich Elon Musk, weil er sich immer wieder neu erfindet. Als Vorbild würde ich aber eher Warren Buffet nehmen.

Zuerst Müesli oder Milch?

Ist das eine Trickfrage? Natürlich zuerst das Müesli!

Hund oder Katze?

Ich bin allergisch gegen beide… Goldfisch! Oder eine Schildkröte, wirklich ein interessantes Haustier.

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Keine Schildkröte. Eher ein Vogel, das Fliegen stelle ich mir schon toll vor.

Bestes Restaurant in Basel?

Für Burger La Manufacture!

Neuchâtel oder Basel?

Kein Kommentar. Ich mag Basel sehr gerne, war schon als Kind hier und hatte hier meine erste Stelle an der Uni. Mein Herz ist hier und es fühlt sich wie Zuhause an. Aber auch über Neuchâtel kann ich nichts Schlechtes sagen. Tolle Uni, tolle Kollegen und auch tolle Studierende. Der Ort gefällt mir auch sehr gut. Beides sind Orte, die ich sehr gerne mag.

Dann wären wir nun am Ende. Vielen Dank dass Sie sich die Zeit genommen haben und alles Gute für die kommenden Semester!